DIABETES IM ALLTAG

GUTER SCHLAF FÜR IHREN BLUTZUCKER

Dass zu wenig Schlaf ungesund ist, weiß jeder. Aber wussten Sie auch, dass Schlafmangel Ihre Blutzuckerwerte negativ beeinflussen kann? Wie genau Schlafgewohnheiten mit Ihrem Glukosespiegel zusammenhängen können, erfahren Sie hier.

GUTE NACHT – GUTER TAG

Wie viel Schlaf Sie pro Nacht benötigen, ist individuell unterschiedlich. Ein gesundes Schlafmaß dauert laut der US-amerikanischen National Sleep Foundation etwa 7-9 Stunden pro Nacht. Wichtig ist aber nicht nur die Dauer des Schlafes, sondern auch die Erholungsqualität. Um am nächsten Morgen ausgeruht zu sein, sollte man während des Schlafens die Tiefschlafphase erreichen. Deshalb hilft es nicht am Wochenende „vorzuschlafen“, denn optimalerweise sollte der Körper jede Nacht diese Phase der Erholung und Regeneration nutzen können. Wenn Sie lang genug schlafen, sich tagsüber aber trotzdem müde und zerschlagen fühlen, sollten Sie das von einem Arzt abklären lassen.

Das Vorkommen von Schlafstörungen hat in den letzten Jahren zugenommen. Eine Studie1 hat gezeigt, dass das Risiko für Übergewicht und für eine Insulinresistenz deutlich steigt, wenn der Schlaf täglich nur eine halbe Stunde zu kurz kommt.

SCHLAFMANGEL UND BLUTZUCKERWERTE

Zu wenig erholsamer Schlaf kann sich bei Menschen mit und ohne Diabetes negativ auf die Blutzuckerwerte auswirken. Der Grund: Schlaflose Nächte können das Gleichgewicht zwischen Insulin und seinen Gegenspielern (z. B. Cortisol) durcheinanderbringen. Das liegt zum einen daran, dass bei Schlafmangel weniger Insulin gebildet wird, was dazu führt, dass der Blutzuckerspiegel deutlich ansteigt. Zum anderen ist auch das Stresshormon Cortisol vermehrt im Blut zu finden, dass die Insulinproduktion hemmt und die Leber veranlasst mehr Zucker freizusetzen. Es ist zudem bekannt, dass bei Menschen, die zu wenig schlafen, verglichen mit denen, die 6-8 Stunden pro Nacht ausreichend Erholung finden, die Gefahr für gestörte Nüchternblutzuckerwerte um knapp das Fünffache erhöht ist.

BESONDERHEIT BEI DIABETES

Bei Diabetes kann diese Situation dazu führen, dass der Blutzucker nicht optimal eingestellt ist, was wiederum das Risiko für Folgeerkrankungen erhöhen kann.

Zusätzlich führt ein nicht erholsamer Schlaf dazu, dass der Körper den Stoffwechsel herunterfährt. Dieser verbraucht dann weniger Kalorien als gewöhnlich und lagert mehr Fett ein. Das begünstigt die Entstehung von Übergewicht.

Ein regelmäßiger Schlafrhythmus kann sowohl bei Menschen mit Typ-I als auch bei Menschen mit Typ-II Diabetes zu besseren Zuckerwerten führen.

DAS „DAWN-PHÄNOMEN“

Haben Sie schon einmal festgestellt, dass Ihr Blutzuckerwert morgens erhöht ist, obwohl er abends normal war und Sie nachts nichts gegessen haben? Oder Sie haben sich gefragt, ob ihr Glukosemessergerät möglicherweise fehlerhaft ist? Dazu ist es hilfreich zu wissen, dass unser Körper auch Zucker braucht, wenn wir nichts essen. Er kann ihn deshalb speichern und wieder freigeben. Damit wir morgens genügend Energie haben, schüttet der Körper in den frühen Morgenstunden vermehrt bestimmte Hormone aus. Diese Hormone bewirken, dass zuvor gespeicherter Zucker morgens aus der Leber in das Blut freigesetzt wird. Hierfür wird in den Morgenstunden mehr Insulin benötigt. Bei Menschen ohne Diabetes würde der Körper den Anstieg durch die Ausschüttung von mehr Insulin ausgleichen. Bei Menschen mit Diabetes ist der Ausgleichsmechanismus gestört, weshalb es in den frühen Morgenstunden zu einem starken Anstieg des Blutzuckerspiegels kommen kann. 

Mediziner nennen dies das Phänomen der Morgenröte oder „Dawn-Phänomen“ („dawn“, engl. = „Morgengrauen“). Dieses Phänomen tritt sowohl bei Typ-I und Typ-II Diabetes auf und kann durch Stress und Schlafstörungen verstärkt werden, was wiederum zu Problemen bei der Blutzuckereinstellung führen kann. 

 

DER „SOMOGYI-EFFEKT“

Bei der Suche nach den Ursachen von erhöhten Blutzuckerwerten am Morgen denken Patienten und Ärzte häufig zuerst an „zu wenig Insulin gespritzt“ oder „zu viel gegessen“. Meist liegen sie damit auch richtig. Es kann jedoch auch genau umgekehrt sein, denn zu hohe morgendliche Blutzuckerwerte bei Menschen mit Diabetes können auch auf eine nächtliche Unterzuckerung folgen. Mediziner bezeichnen das als sogenannten „Somogyi-Effekt“.

Kontinuierliche Glukosemessungen zeigen, dass nachts sowohl bei Typ-I als auch bei Typ II Diabetes Patienten häufig zu niedrige Zuckerwerte auftreten. Normalerweise antwortet der Körper bei niedrigen Blutzuckerwerten mit Warnsignalen wie Schwitzen, Zittern, Herzklopfen oder Hunger, mit denen er auf die Unterzuckerung reagiert. Nachts bekommen Sie diese Signale meist nicht mit. Wenn Sie kein kontinuierliches Glukosemesssystem verwenden, dass Sie alarmiert, sobald ein bestimmter Wert unterschritten wird, bleibt eine nächtliche Unterzuckerung oft unbemerkt. Hinweise darauf können jedoch Kopfschmerzen oder Abgeschlagenheit am Morgen und nächtliche Schweißausbrüche, aber eben auch die erhöhten Blutzuckerwerte direkt nach dem Aufstehen sein. 

Der beschriebene Effekt wird meist durch eine zu hohe Insulindosis (meist Basalinsulin) oder eine ausgelassene Mahlzeit am Abend ausgelöst. Diese bewirkt, dass der Blutzuckerspiegel zunächst abfällt und der Körper beginnt dagegen zu regulieren. Um am Morgen in Schwung zu kommen, werden in der zweiten Nachthälfte vermehrt die Gegenspieler des Insulins produziert. Durch die nächtliche Unterzuckerung kommt es dann zu einer überschießenden Gegenregulation und somit zu einem starken Blutzuckeranstieg am Morgen. 

Der „natürliche Reflex“ auf erhöhte Blutzuckerwerte mit mehr Insulin zu reagieren wäre hier allerdings die falsche Reaktion. 

 

TIPP:
Kontrollieren Sie lieber vor dem Zubettgehen und am besten auch einmal in der Nacht Ihren Blutzucker. Halten Sie Rücksprache über Behandlungsmöglichkeiten mit Ihrem Arzt, falls Sie das Gefühl haben, dass nächtliche Unterzuckerung häufiger bei Ihnen auftritt. Ein kontinuierliches Glukosemessgerät ist bestens dafür geeignet, Ihren Blutzucker auch nachts im Blick zu behalten.

DAWN-PHÄNOMEN ODER SOMOGYI-EFFEKT?

Welcher Effekt für erhöhte Blutzuckerwerte am Morgen verantwortlich ist, können Sie am besten durch eine Kontrollmessung des Blutzuckers um 3 Uhr nachts herausfinden. Während ein normaler oder erhöhter Wert auf das Dawn-Phänomen hinweist, ist ein zu niedriger Blutzuckerwert ein Indiz für eine nächtliche Unterzuckerung und damit für den Somogyi-Effekt. Je nachdem was die Ursache für die morgendlich erhöhten Blutzuckerwerte bei Ihnen ist, sollten Sie Ihre Insulindosis unterschiedlich anpassen (Dawn-Phänomen: Basalinsulin erhöhen, Somogyi-Effekt: Insulindosis am Abend verringern).

Besprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Arzt, was für Sie individuell die beste Behandlungsoption ist.

SO OPTIMIEREN SIE IHREN SCHLAF:

  • Achten Sie auf ausreichend Schlaf und legen Sie Schlafenszeiten fest. Bei einem immer gleichbleibenden Schlafrhythmus gewöhnt sich der Körper daran. Sie werden zu den bestimmten Zeiten müde und finden so schneller in den Schlaf, was besonders bei Einschlafproblemen eine Hilfe sein kann.
  • Sorgen Sie, bevor Sie zu Bett gehen, für Entspannung, wie z. B. durch einen Spaziergang oder eine beruhigende Tasse Tee. Nutzen Sie bewusst, keine Technik vor dem Schlafengehen und schalten Sie Bildschirme früh genug aus. Oft benutzt man im Bett noch das Handy oder lässt sich vom Fernseher berieseln. Versuchen Sie das zu vermeiden und entscheiden Sie sich stattdessen für ein Buch oder eine Zeitschrift. Schalten Sie ihr Handy nachts aus oder auf Nachtmodus, sodass Sie keinen Anreiz mehr haben, noch einmal drauf zu schauen. 
  • Verzichten Sie auf koffeinhaltige Getränke oder Nikotin, bevor Sie schlafen gehen.
  • Die richtige Schlafumgebung ist für einen guten und erholsamen Schlaf von großer Bedeutung. Stellen Sie sicher, dass ihr Schlafzimmer kühl, dunkel und ruhig ist. Investieren Sie in ein gutes Bett und eine bequeme Matratze, sodass Sie gut schlafen können. Außerdem wird ein Fernseher im Schlafzimmer nicht empfohlen.
  • Setzen Sie sich selbst nicht unter Druck. Wenn Sie nicht einschlafen können, schalten Sie das Licht kurz an, lesen Sie etwas, lenken Sie sich ab und versuchen Sie es dann erneut, anstatt sich im Bett zu quälen. 
  • Wenn Sie dauerhaft müde sind oder Ihr Partner Atemaussetzer im Schlaf bei Ihnen registriert, sollten Sie das von einem Arzt kontrollieren lassen. 
1.    Arora T et al. The impact of sleep debt on excess adiposity and insulin sensitivity in patients with early type 2 diabetes mellitus. J Clin Sleep Med 2016;12(5):673-680.https://doi.org/10.5664/jcsm.5792

 

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